Kuba

Kuba hat mich unglaublich geprägt: Seit meiner ersten Reise 1997 war ich mehr als zehnmal dort. 2009 startete ich mein Herzensprojekt „My Street“ (Meine Straße). Meine tiefen Erfahrungen vor Ort habe ich in zwei Büchern und zwei Kurzfilmen festgehalten.“

 Cuba und  “My Street” –  gemeinsam mit dem Photographen  Babak Salari haben wir  2009 Erzählungen und Fotos über die Straßen, wo Kubaner wohhen, gesammelt.  Es ist ein dreisprachiges Buch entstanden: “My Street. Cuban Stories”. Joseph Scarpaci hat eine Rezension übet das Buch  in Journal of Latinamerican Geography geschrieben. ER nennt das Buch “a delightful portal to the human condition in Cuba”.

 2012 kam das zweite Buch  – “Behind Doors” – eine Sammlung, die von Kubanern selber veorgeschlagen und geschrieben wurde. 2017 hat Philip Graham  einige dieser Geschichten in der amerikanischen Zeitschrift  NINTH LETTER veröffentlicht. 

 Raycho Stanev war der Designer beider Bücher. Martin Dietrich and Valia Carvalho haben beim zweiten Buch mitgearbeitet.

Para vivir con paz interior hay que ser un imbecil. O no?
Pedro Juan Gutierrez
“Trilogia sucia de La Habana”

 

Ich begann  zuerst in Havana ganz einfach für mich selbst, die Straßen zu fotografieren. Wenn ich diese Bilder heute betrachte, erinnere ich mich genau an meine damaligen inneren Zustände. Auf der Straße ist nichts sicher. Nach dem kubanischen Santería-Kult sind der Gott der Straßen und der Gott des Schicksals ein und derselbe: Elegguá.
Wie es das Schicksal wollte, wurde genau die Straße für viele Jahre zum Zentrum eines faszinierenden, hochdynamischen Projekts, das mich immer wieder nach Kuba zurückbrachte: „My Street“. Dafür bin ich Milan Nic aus Bratislava, Babak Salari, Roberto Zurbano, Teté, Ulises Quintana, Oscar Olave aus Havana, AnislyMendoza und Lázaro aus Trinidad, Martin Dietrich aus Bonn, Valia Carvalho aus Berlin, Manol Peikov, Raycho Stanev, Reni Hristova,  und vielen anderen von Herzen dankbar. Gemeinsam ist es uns gelungen, zwei Bände kubanischer Geschichten zu sammeln und zu veröffentlichen, in denen junge Kubanerinnen und Kubaner zum ersten Mal unzensiert über ihr Leben, die Straßen und ihre inneren Zustände berichten.
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Einmal erzählte ich einer Frau in Havanna, dass ich Bulgarin bin – und sie segnete mich dafür. Sie erinnerte sich an eine bulgarische Familie, die sie Anfang der 1990er-Jahre vor dem Hungertod bewahrt hatte.
Ein anderes Mal in Santiago kniete ein älterer Mann nieder, als er erfuhr, woher ich komme. Er küsste meine Hand und erzählte mir von der Liebe seines Lebens, die ebenfalls Bulgarin war. Ein anderer alter Mann in derselben Stadt erinnerte sich sogar in reinem Bulgarisch an den Ausdruck „на баба ти хвърчилото“ (was so viel bedeutet wie „Unsinn“ oder „das stimmt doch nicht“). Er hatte ihn in den 1970er-Jahren von einem bulgarischen Gastarbeiter gelernt.
Im Jahr 2005 fragte mich Osvaldo Payá, einer der wenigen Oppositionsführer in Havanna: „Warum habt ihr vergessen, dass ihr frei seid – und wir noch nicht?“ Ich bewahre meine Fotos von ihm wie einen Schatz auf und kann bis heute nicht fassen, dass er später ums Leben kam.
Es hat etwas zutiefst Beunruhigendes und zugleich Schönes, wenn man merkt, dass die eigene Vergangenheit, das eigene Land und die eigenen Erinnerungen jemanden da draußen in der Ferne so tief berühren. Ja, genau dort – in Kuba.
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Im Januar 2016 haben wir zudem gemeinsam mit der Regisseurin Maria Stanisheva das Material für einen neuen Dokumentarfilm  TRES REVOLUCIONES gedreht.